
Kann das Verbringen von Zeit im Freien in der Kindheit dazu führen, dass wir als Erwachsene stärker auf unseren Planeten achten? Das legt eine faszinierende Studie von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitäten Missouri und Illinois nahe, die zeigt, wie frühe Erfahrungen mit der Natur unsere ökologischen Gewohnheiten prägen.
Stell dir vor: Als Kind läufst du durch den Wald, zeltest unter den Sternen, beobachtest Vögel oder pflanzt Blumen im Garten. Oder du lernst in der Schule etwas über die Umwelt, schaust Naturdokumentationen im Fernsehen oder nimmst an organisierten Ausflügen in den Park teil. Der Studie zufolge haben diese beiden Arten von Erfahrungen – Erholung im Freien und Umweltbildung – einen langfristigen Einfluss darauf, wie wir als Erwachsene mit dem Planeten umgehen.
Die Forschenden analysierten die Antworten einer Online-Umfrage, an der mehr als 600 erwachsene Einwohnerinnen und Einwohner des US-Bundesstaates Illinois teilnahmen. Es zeigte sich, dass Naturerholung in der Kindheit die „Verbundenheit mit der Natur“ (sog. CTN – Connection to Nature), also das Gefühl der Einheit mit der Natur, stärkt. Dies wiederum fördert ökologische Werte wie Sorge um die Umwelt und um andere Menschen (biosphärische und altruistische Werte). Umweltbildung hingegen wirkt sich direkt auf diese Werte aus, auch wenn sie nicht immer die emotionale Verbindung zur Natur stärkt.
Und wie sieht es mit dem Verhalten aus? Personen mit starken ökologischen Werten geben an, sich eher für umweltfreundliches Handeln zu engagieren: Sie sparen zu Hause Energie und Wasser (ressourcenschonender Lebensstil), sprechen mit anderen über Umweltprobleme (sozialer Aktivismus) oder unterzeichnen Petitionen und unterstützen Umweltschutzmaßnahmen (bürgerschaftliche Haltung). Die Studie bestätigt, dass diese Kindheitserlebnisse bis zu 35–59 % der Varianz unserer Einstellungen im Erwachsenenalter erklären können!
Warum ist das für One Health wichtig? One Health betont, dass die Gesundheit von Menschen, Tieren und der Umwelt miteinander verbunden ist. Der Schutz der Natur – etwa durch Recycling oder den Erhalt von Wäldern – hilft, Krisen wie dem Klimawandel oder dem Verlust der biologischen Vielfalt vorzubeugen, die uns alle betreffen. Die Studie legt nahe, Kinder zu Spiel im Freien und zu naturkundlicher Bildung zu ermutigen – eine Investition in einen gesünderen Planeten und eine gesündere Gesellschaft.
Nach: Shin, S., & van Riper, C. J. (2025). Childhood outdoor recreation and environmental education shape pro-environmental behavior among adults: A study of residents in Illinois, USA. Society & Natural Resources, 38(6), 563–586. https://doi.org/10.1080/08941920.2024.2449048




